Herausforderung Personalsuche

veröffentlicht von von Dajinder Pabla Klartexte

Es fehlt ein präzises Anforderungsprofil. Mit dieser Stellenanzeige lässt sich nur schwer der Wunschmitarbeiter finden.
Es fehlt ein präzises Anforderungsprofil. Mit dieser Stellenanzeige lässt sich nur schwer der Wunschmitarbeiter finden.

Viele Schulabgänger entscheiden sich für den medizinischen Bereich. Insbesondere junge Frauen wählen den Beruf der Medizinischen bzw. Zahnmedizinischen Fachangestellten (MFA bzw. ZFA). 2016 waren laut Statistischem Bundesamt 37.674 MFA und 30.945 ZFA in der Ausbildung. Beide Berufsgruppen gehören damit zu den Top 4, haben aber trotzdem noch viele offene Stellen. Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor. Doch obwohl die Ausbildung bundesweit seit einem halben Jahr läuft, suchen noch viele Praxen nach geeigneten Nachwuchskräften. Die Betonung liegt dabei auf geeignet. Denn immer mehr Ärzte beklagen sich über schlichtweg schlechte Bewerbungen und entscheiden sich aus diesem Grund aktiv gegen Bewerber.

Was zeichnet den richtigen Bewerber aus?
Diese Frage kann und muss sich jede Praxis selbst stellen und beantworten. Das Anforderungsprofil ist ganz individuell, vor allem aber anspruchsvoll. Kommunikationstalente, Organisationsgenies und Abrechnungsexperten - am liebsten Alleskönner. Doch diese gibt es nicht von der Stange. „Und darin besteht die Chance für alle Ärzte“, erklärt André Bernert, Geschäftsführer von Medical Management Partner. „Die jungen Menschen haben noch keine Berufserfahrung und sind daher formbar.“ So kann jeder Arzt sich seinen Wunschmitarbeiter selbst erziehen. Die Basis dafür wird in der Ausbildung geschaffen. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern zeigt, dass man sich das Potential jeden Bewerbers genau angucken und ihn nicht direkt in eine Schublade stecken sollte.

Ohne Ausbildungsplan bleibt die Überforderung
Ein strukturierter Ausbildungsplan, der step-by-step das vermittelt, was der Auszubildende erlernen soll und will, ist entscheidend für den Erfolg der Ausbildung. Regelmäßige Zielgespräche, die protokolliert werden, dienen der Orientierung. Sie zeigen an welcher Stelle der Lehrling steht und welche Bereiche als nächstes folgen. Und zwar individuell nicht bei jedem gleich. Eine Auszubildende aus Kiel, die am 1. August 2016 gestartet ist, hat berichtet, dass sie von Beginn an viele Aufgaben zu bewältigen hatte, in die sie gar nicht eingearbeitet wurde. Ohne ein systematisches Vorgehen droht gerade Berufseinsteigern die Gefahr der Überforderung und dadurch, dass die Aufgaben nur bedingt verstanden und auch später nicht alleine bewältigt werden können. Die Auszubildende wurde darüber hinaus gefragt, was sie in der Anfangszeit noch nicht gelernt, aber in der Praxis bereits gebraucht hat. Wie bei vielen ihrer Kollegen war es auch bei ihr der Umgang mit „schwierigen Patienten“. André Bernert: „Die Auszubildenden wissen oftmals am besten, was ihnen noch fehlt und was sie akut benötigen. Sie danach zu fragen oder ihnen eine Plattform zum Erzählen zu geben, ist dafür erforderlich. Das bedeutet ausbilden und ist nachhaltig.“

Präzise Anzeigen statt 0815
Die Berufe MFA und ZFA sind anspruchsvoll und nicht für jedermann geeignet. Interessierte sollten sich deshalb genau erkundigen, was von ihnen verlangt wird. Der Ausbildungsrahmenplan spiegelt den Berufszweig wieder, beschreibt aber nicht, worauf es Ihnen als Arzt und Chef in Ihrer Praxis ankommt. Das ist Ihre Chance! Beschreiben Sie auf Ihrer Website oder in der Zeitungsannonce zuzüglich der formalen Berufsbeschreibung, welche Fähigkeiten Sie von Ihrem zukünftigen Mitarbeiter genau erwarten. Beachten Sie dabei, dass sich auch die Erwartungshaltung an den Arbeitsplatz in den vergangenen Jahren verändert hat. Die folgende Punkte zeigen Ihnen, worauf es Ihrer Zielgruppe heute besonders ankommt.

1. Flexible Arbeitszeitmodelle 

2. Karriereleiter
a) Transparente Aufstiegschancen
b) Weiterbildungsangebote zur eigenen Spezialisierung
c) Auswahl  des Einsatzgebietes/der Aufgabenverteilung

3. Interdisziplinäre Ausbildung
a) Kommunikation und Didaktik
b) Marketing und Öffentlichkeitsarbeit