IGeL-Ärger in Deutschland

veröffentlicht von von Dajinder Pabla In der Presse, Klartexte

Wieso für eine Behandlung selbst bezahlen?

In der neusten Gesundheitswesen Aktuell der Kieler Nachrichten geht es um das Thema Individuelle Gesundheitsleistungen.

Medizin und Geld – ein Spannungsfeld?
Was kostet es eigentlich, wenn ich wegen einer Erkältung zum Arzt gehe? Und wie viel verdient der Arzt an meiner Behandlung überhaupt? Für Patienten ist das nicht nachvollziehbar. Aber auch der Arzt kann nicht genau sagen, was er für die einzelne Behandlung bekommt. Obwohl die Leistung direkt am Patienten erfolgt, nimmt das Geld einen großen Umweg. Transparenz sieht anders aus. Daher tun sich beide Seiten schwer damit, wenn es um IGeL geht. Denn hier entsteht ein direkter Bezug zwischen Geld und Leistung.

Was sind IGel überhaupt?
Die Bundesärztekammer hat hierzu 2012 folgende Erklärung veröffentlicht: „Welche Leistungen die Gesetzliche Krankenkassen übernehmen dürfen, hat der Gesetzgeber im fünften Sozialgesetzbuch geregelt: ‚Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.‘ Wenn Ärztinnen oder Ärzte eine Untersuchung oder eine Behandlung vorschlagen, die nicht im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen erfasst ist, müssen die gesetzlich Versicherten selbst dafür zahlen. Solche Leistungen werden als Individuelle Gesundheitsleistungen – IGeL – bezeichnet.“

Kritik an IGeL – zu Recht?

Kritiker sagen, dass der Nutzen vieler Leistungen nicht bewiesen sei. Außerdem würden IGeL durch die Verkaufssituation das Arzt-Patienten-Verhältnis stören. Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender der kassenärztlichen Bundesvereinigung, sagt: „Im individuellen Patientenfall können IGeL durchaus medizinisch sinnvoll sein. Im Sinne eines guten Vertrauensverhältnisses zu seinen Patienten gäben Ärzte unter medizinischen Gesichtspunkten Empfehlungen ab.“ Unter diesen Umständen spricht erst einmal nichts gegen IGeL. Weder für den Arzt noch für den Patienten. Wer IGeL kategorisch ausschließt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) keine Medizin-Flatrate darstellt. André Bernert, Geschäftsführer von Medical Management Partner, ist seit über 15 Jahren als Berater für Arztpraxen im Einsatz. Er sagt: „Die Grenze ist schneller erreicht, als viele glauben. Die Schulmedizin kann wesentlich mehr, als das, was die Krankenkassen bezahlen. Beim Auto wäre das die Haftpflichtversicherung.“ Als Teilkasko ließe sich demnach die private Krankenversicherung bezeichnen. Sie deckt wesentlich mehr ab. Sogar Teile der Komplementärmedizin (s. oberes Schaubild). Eine Vollkaskoversicherung gibt es im Gesundheitswesen jedoch nicht. Und hier kommen die IGeL ins Spiel. „Sie sind keine Quacksalberei, sondern ein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Versorgung“, sagt André Bernert.

Der richtige Umgang mit IGeL ist entscheidend
Damit auch noch am Ende alle zufrieden und Sie als Patient hoffentlich gesund sind, befinden sich in den folgenden Infoboxen wichtige Hinweise. Fazit: In IGeL steckt das Wort „individuell“. Und dieses ist entscheidend für die Bewertung solcher Leistungen. Bei jedem Patienten müssen dieser und der Arzt gemeinsam und individuell entscheiden. Dann gibt es nichts zu kritisieren.

Ein Praxisbeispiel – so könnte es laufen
Wir nehmen mal an: Sie und ein Bekannter von Ihnen haben seit vielen Jahren Rückenschmerzen. Wie immer nehmen Sie die Schmerzmittel ein, die für ein paar Wochen Abhilfe schaffen. Ihrem Bekannten wird von seinem Arzt eine alternative Behandlung zur dauerhaften Lösung vorgeschlagen. Er hat die Therapiemaßnahmen anschaulich erklärt und auch nicht verschwiegen, dass gewisse Risiken bestehen. Allerdings hat sich Ihr Bekannter eine Zweitmeinung eingeholt und eine Woche Bedenkzeit genommen. Obwohl er am Anfang skeptisch war, habe ihn das Aufklärungsgespräch und vor allem die Zweitmeinung überzeugt. Der Preis, den er selbst bezahlen muss, basiert auf der Gebührenordnung für Ärzte und Zahnärzte (GOÄ & GOZ). Alles war vertraglich fixiert. Heute ist er beschwerdefrei.

Eine Zusammenfassung der Inhalte in handlichem Taschenformat erhalten Sie hier in der MMP-Infobox.