Können Arztbesuche Spaß machen?

veröffentlicht von von Dajinder Pabla In der Presse, Klartexte, Sonstiges

Eine Mischung aus Amazon, Friseur und Tagesschau – das wäre optimal!

Sie haben maximal ein weißes Praxisschild und saisonale Deko. Ohnehin wirken Praxen häufig altmodisch. Irgendwie humorlos und steril. In den Behandlungsräumen wird das erwartet. Aber im Empfangs- und Wartebereich darf es gerne modern und freundlich sein. So, dass man sich wohlfühlt.

Können Arztbesuche Spaß machen? Eine Mischung aus Amazon, Friseur und Tagesschau – das wäre optimal! Immerhin gehen wir Deutsche im Durchschnitt 17 Mal zum Arzt, pro Jahr. Bei einer Lebenserwartung von rund 81 Jahren kommen wir auf insgesamt 1.378 Arztbesuche. „Wenn man schon so viel Zeit in der Praxis verbringt, dann soll man sich dort auch wohlfühlen“, sagt Katja Feddersen. Sie ist nicht nur Patientin, sondern auch gelernte Krankenpflegerin. Zudem hat sie Gesundheits- und Sozialmanagement studiert und ist heute als Praxisberaterin in ganz Deutschland tätig. „Humor und Spaß stehen den ernsten Praxis-Themen nicht im Wege und können sogar hilfreich sein. Obgleich empathische Menschen und eine angemessene Atmosphäre natürlich auch wichtig sind.“ – Eine Praxis soll kein Unterhaltungsort sein, aber das Beste aus sich herausholen. Und dabei geht es vielmehr um organisatorische Abläufe. Damit sich ein Patient, unabhängig von seinem gesundheitlichen Zustand, gut aufgehoben fühlt.

Wenn der Praxisbesuch schon keinen Spaß macht, dann zumindest auch keinen Ärger. – Drei Schritte, damit Praxis und Patient zufrieden sind. Tipps von André Bernert (Praxisberater und Geschäftsführer von Medical Management Partner).

1. Terminvereinbarung (Amazon-Vergleich)

„Bei Amazon geben Kunden ihr Wunschprodukt ein, bestimmen die wichtigsten Kriterien und erhalten ziemlich genaue Kaufvorschläge. Durch die vielen Produktbewertungen kann sich der Kunde dann ein genaues Bild davon machen und es bei Interesse mit wenigen Klicks kaufen. Für Patienten ist der Arzt das Wunschprodukt. Die wichtigsten Kriterien sind meistens der Praxisort und die Fachgruppe. Über Jameda (größtes Arztbewertungsportal) können sich Patienten außerdem die Bewertungen für die Praxis und den entsprechenden Arzt ansehen und im besten Fall direkt über die Online-Terminvergabe einen Termin buchen. Allerdings nur, wenn die Praxis ihr Jameda-Profil pflegt und die Online-Terminvergabe eingerichtet hat. Die Vorteile: Patienten vereinbaren Termine online, ohne langes Warten in der Telefonschleife. Die Praxis muss weniger Anrufe entgegen nehmen und hat mehr Zeit für die Patientenversorgung.“

2. Termintreue (Friseur-Vergleich)

„Wer um 11.00 Uhr einen Friseur-Termin hat, der kommt um 11.00 Uhr dran. In einer Arztpraxis eher um 12.00 Uhr. Zum Arzt kommen häufig Patienten, die keinen Termin haben, aber behandelt werden wollen. Werden sie drangenommen, verlängert sich die Wartezeit für alle anderen! Zwischenschieben gibt es beim Friseur nicht. Auf zehn Termine kommen zehn Kunden. Tipp: Patienten sollten sich immer einen Termin holen und Praxen nur Patienten annehmen, die einen Termin haben oder sofort ärztliche Hilfe benötigen. Beide Seiten können so für geringere Wartezeiten sorgen.“

3. Informieren (Tagesschau-Vergleich“))

„In 15 Minuten alles auf den Punkt gebracht. Die Tagesschau liefert täglich alle wichtigen Informationen – verständlich, ansprechend, seriös. In der Kommunikation zwischen Arzt und Patient gehen oftmals wichtige Informationen verloren. Weil die Gespräche zwischen Tür und Angel stattfinden, zu viele Fachbegriffe verwendet werden, oder gar nicht genug Zeit zum Erklären zur Verfügung steht. Das Beispiel Tagesschau scheint etwas weit hergeholt, dient in diesem Zusammenhang aber im übertragenen Sinne. Ziel muss es sein, alle medizinischen Informationen verständlich für Patienten aufzubereiten. Die Vorteile: Patienten fühlen sich informiert und sicher und die Praxis spart wertvolle Erklär-Zeit.